Endlich Frühling? Mein Ausflug nach Pillnitz & das Wunder der Kamelie

Leute, ich sags wie es ist: Ich kann das Grau nicht mehr sehen.
Wenn ich noch einen Tag auf diesen bleiernen Himmel über der Neustadt starren muss, dreh ich durch. Mein Körper schreit nach Vitamin D und meine Augen brauchen dringend andere Farben als „Beton“ und „Schlamm“.
Zum Glück gibt es in Dresden ja diesen einen Ort, der immer ein bisschen früher wach wird als der Rest der Stadt. Also hab ich mich am Wochenende in die Linie 63 gesetzt (ja, die Fahrt zieht sich, ich weiß) und bin raus nach Pillnitz gefahren.
Mission: Den Frühling suchen. Ergebnis: Gefunden! Und zwar in Pink.

Die alte Dame im Glashaus: Die Pillnitzer Kamelie

Eigentlich bin ich ja kein Botaniker. Ob das nun eine Tulpe oder eine Rose ist – hauptsache es sieht gut aus. Aber die Pillnitzer Kamelie ist schon eine Nummer für sich. Das müsst ihr euch mal reinziehen: Der Baum (ja, das ist ein Baum, kein Busch!) ist über 250 Jahre alt.

Der stand schon da, als Napoleon noch Windeln anhatte. Oder so ähnlich.

Das Verrückte ist ja nicht nur die Pflanze, sondern das Haus drumherum.

Im Winter wird die Kamelie von einem riesigen, fahrbaren Glashaus beschützt. Das ist Technik-Porno vom Feinsten. Wenn es dann wärmer wird, fährt das ganze Haus auf Schienen zur Seite. Aktuell steht das Haus noch drüber, aber man kann rein.

Ich war am Sonntag da und es war schon gut was los.

Der Eintritt in den Park kostet zwar ein paar Euro (glaube so 5 Euro inkl. Gewächshaus), aber das ist es wert. Wenn man da reinkommt und vor dieser gigantischen Wand aus tausenden pinken Blüten steht… das macht schon was mit einem. Es riecht nach Erde und Frühling. Man vergisst sofort, dass man draußen noch den dicken Schal brauchte.

Tipp: Geht gleich früh morgens oder kurz vor Schluss hin. Mittags schieben sich die Rentner-Busgruppen durch die Gänge, da ist nix mit „Ruhe genießen“.

Spaziergang an der Elbe: Kopf freipusten lassen

Nach der „Audienz“ bei der Kamelie bin ich noch eine Runde durch den Schlosspark gelaufen.

Pillnitz ist ja architektonisch dieser abgefahrene Mix aus Barock und China-Style (Chinoiserie nennt man das wohl schlau). Die Dächer sehen aus wie Pagoden.

Aber am besten fand ich eigentlich den Weg direkt an der Elbe entlang.

Da unten blühen schon die ersten Schneeglöckchen und Krokusse. Die Elbfähre tuckert gemütlich rüber nach Kleinzschachwitz. Ich hab mich einfach auf eine Bank gesetzt, das Gesicht in die (noch schwache) Sonne gehalten und den Moment genossen.

Es ist so viel ruhiger als am Elbufer in der Stadtmitte. Hier hört man Vögel zwitschern und nicht die Straßenbahn quietschen.

Belohnung muss sein: Eierschecke bei Wippler

Kein Ausflug ohne Futter, das wisst ihr ja mittlerweile bei mir. Wenn man schon mal hier draußen ist, ist ein Besuch bei der Bäckerei Wippler eigentlich Pflicht. Die sitzen direkt an der Pillnitzer Landstraße.Die haben eine Terrasse mit Blick auf die Elbe (war mir noch zu kalt, aber die Harten saßen schon draußen).

Ich hab mir drinnen ein Stück Dresdner Eierschecke gegönnt.Und ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster: Das ist eine der besten der Stadt. Schön fluffig, nicht zu süß und der Boden nicht so trocken. Dazu ein Pott Kaffee und die Welt ist wieder in Ordnung.

Sumasumarum

Wenn ihr auch den Winter-Blues habt, setzt euch in den Bus oder ins Auto und fahrt nach Pillnitz. Die Kamelie blüht meistens so von Mitte Februar bis April, also habt ihr noch ein bisschen Zeit. Aber gerade jetzt, wo sonst noch alles kahl ist, ist dieser Farb-Flash einfach Balsam für die Seele. Und wer weiß, vielleicht traut sich ja auch bald das fahrbare Glashaus zur Seite. Dann ist der Frühling wirklich da.

Was sind eure ersten Frühlingsboten? Seid ihr Team „Kamelie“ oder reicht euch schon der erste Märzenbecher im Garten?
Schreibt’s mir!